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Know-how zum Nachlesen

Gesetze der guten Gestalt & der guten Fortsetzung

Diese Gesetze werden der Gestaltpsychologie zugeordnet. Als Richtung innerhalb der Psychologie beschreibt sie die menschliche Wahrnehmung als Fähigkeit, mit der wir Strukturen und Ordnungsprinzipien in Sinneseindrücken ausmachen können. Ganz unabhängig davon, ob es sich um Landschaften, Gesichter, Autos, Koalabären — oder eben Websites handelt.

Dies ist der zweite Teil der Serie zum Thema Gestaltpsychologie. Im ersten habe ich die Gesetze der Ähnlichkeit & der Nähe beschrieben. All diese Gesetze der Gestaltpsychologie sind für Designer unerlässlich – sie sind die Basis für die Gestaltung von Produkten (jeglicher Art) und eine wichtige Voraussetzung, um ein gutes User Interface zu entwickeln.

Das Gesetz der guten Gestalt

Das Gesetz der guten Gestalt – auch Gesetz der Prägnanz genannt – beschreibt, wie unsere Wahrnehmung Objekte anhand prägnanter Merkmale in möglichst einfache Strukturen zerlegt.

Ein Beispiel: Die nachfolgende Form können wir ohne Strukturen-Zerlegung kaum beschreiben. Viel einfacher ist es, sie in eindeutige Formen zu zerlegen: Ein Dreieck und ein Kreis, die übereinander liegen.

Ein Dreieck und ein Kreis übereinander

Diese „guten Gestalten“ drängen sich den Beobachter geradezu auf, denn die Formen sind einfach beschreibbar und gut erinnerlich.

So auch im folgenden Beispiel: Unser Verstand wird mit großer Sicherheit zwei Quadrate sehen, die mit 90° Drehung übereinander liegen. Wir nehmen also die einfach zu erkennenden Formen zuerst wahr.

Schwieriger zu erkennen sind hingegen komplexe Formen. So werden vermutlich sehr wenige Betrachter auf Anhieb acht einzelne Dreiecke sehen, die in einem Kreis angeordnet sind.

Zwei Quadrate zum Stern geformt

Welchen Nutzen hat diese Erkenntnis?

Unser Gehirn sucht demnach immer die einfachste Möglichkeit, um eine Form in ihre Einzelteile zu zerlegen. Das bedeutet: Je komplexer eine Form ist, desto länger braucht unser Verstand dafür, sie zu zerlegen und einzuordnen.

Diese Erkenntnis zeigt, wie wichtig Einprägsamkeit und Wiedererkennungswert von Designelementen sind – allen voran für die Gestaltung von Markenlogos.

Im Supermarkt sollte der Kunde eine Marke sofort erkennen, sie sollte ihm trotz der großen Produktvielfalt in’s Auge stechen. Denn: Je länger es dauert, um das Logo zu entschlüsseln, desto niedriger ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Produkt dieser Marke im Einkaufswagen landet.

Genau dasselbe Prinzip haben wir im Web. Benötigt ein User bereits lange dabei, einzelne Bedienelemente, Contentaufbau und weitere Bausteine einer Website zu verstehen, löst das in ihm Frustration aus. Heißt auch: Die Absprungrate erhöht sich. Daher sollte beim Aufbau einer Website vor allem ein Ziel verfolgt werden: Alle Elemente so klar und verständlich wie möglich zu gestallten. Der User sollte sich voll und ganz auf den Content konzentrieren können.

Das Gesetz der guten Fortsetzung

Dieses Gesetz besagt, dass wir Elemente auf einer durchgehenden Linie oder Kurve als zusammengehörig wahrnehmen. Denn: Unser Gehirn neigt dazu, einen Richtungsimpuls fortzusetzen.

Am folgenden Beispiel ist das gut zu beobachten: Wir sehen zwei Linien, die sich kreuzen. Denn – wie wir vorher erfahren haben – versucht unser Verstand nach dem Gesetz der guten Gestalt, die einfachste aller Möglichkeiten zu finden. Allerdings gibt es auch hier verschiedene Optionen dafür, wie das Objekt tatsächlich aufgebaut sein könnte.

zwei gebogene Linien übereinander

Ohne größere Überlegung werden wir also nur diese zwei Linien sehen. Dass die Linien am Schnittpunkt einen Richtungswechsel machen, ist für unsere Wahrnehmung nicht (oder nur schwer) erkennbar.

Gehen wir einen Schritt weiter: Werden die Linien derselben Grafik durch einzelne Punkte ersetzt, könnte das unsere Wahrnehmung verändern. Genau genommen könnten wir jetzt auch 23 Kreise sehen. Tun wir aber nicht: Denn nach dem Gesetz der Fortsetzung ist es viel einfacher, wieder zwei Linien zu sehen, die sich an einem Punkt schneiden.

zwei gepunktet Linien

Dieses Gesetz funktioniert demnach nicht nur mit zusammengesetzten Linien, sondern auch mit Elementen, die einen Bezug zueinander haben.

Was wir daraus lernen

Da das Gesetz der guten Fortsetzung nicht nur mit Kurven funktioniert, sondern auch Informationen auf Geraden vermitteln kann, ist es ratsam, zusammengehörige Elemente nach diesem Prinzip auszurichten. Das betrifft die Hauptnavigation einer Website genauso wie eine Aufzählung einzelner Punkte.

Bei der Gestaltung von Untermenüs ergeben sich somit mehrere Möglichkeiten, wie dieses Beispiel zeigt:

unstrukturierte Aufzählung neben strukturierter Aufzählung von Wörtern mittels Bullets

Links sind die einzelnen Punkte wahllos und unstrukturiert angeordnet. Für den User könnte es dadurch schwieriger sein, die vollen Informationen zu erfassen. Rechts hingegen sind die einzelnen Punkte auf einer vertikalen Linie klar aufgegliedert. Diese Variante ist auf den ersten Blick viel übersichtlicher – und für die Wahrnehmung dadurch leichter zu lesen und zu entschlüsseln.

Nach näherer Betrachtung dieser wahrnehmungspsychologischen Gesetze könnte sich bei der Gestaltung (von Websites) also das sogenannte KISS-Prinzip bewähren: (Keep it simple [and] stupid).

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(leider nicht die essbaren)
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