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Echt schlägt schön

„Hochglanz-Präsentationen werden heute gnadenlos aufgedeckt. Darum gilt: Wer ein Bild zeichnet, das nicht authentisch ist, verliert.“

„Unsere Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital“. Darunter lachen mir mehrere schöne Menschen im stereotypen Businesslook von einem Stockfoto entgegen. Gender- und Kulturmix inklusive. Und wenn es sich nicht um Bilder aus der Datenbank handelt, dann scheint es, als ob die Aufgabe gewesen wäre diese bestmöglich nachzustellen.

Mein Favorit: KollegInnen beim Businessmeeting. Alle versammeln sich um ein Tablet oder ein Blatt Papier, auf das eine/r entschlossen deutet, während alle anderen mit lachendem oder interessiertem Blick ihre Zustimmung ausdrücken – natürlich in möglichst verschiedenen Posen. Einmal sitzend. Einmal stehend. Einmal lehnend. Oder strahlende Gesichter am Telefon und während der täglichen Arbeit vor dem PC. Echter Eindruck vom Arbeitsalltag? Fehlanzeige.

Und natürlich arbeiten diese leidenschaftlichen, zielstrebigen und kreativen MitarbeiterInnen alle bei einem dynamischen, innovativen, internationalen Marktführer.

Leere Floskeln und gestellte Bilder sind der Tod jeder Brand – egal ob Produkt- oder Arbeitgebermarke. Und das kann unangenehme Folgen haben.

Gesteltes Bild von einer Kollegin, die einer anderen etwas am Computer zeigt
Zwei Kolleginnen zeigen Daumen hoch

Schönreden wird bestraft

Heute werden solche Hochglanz-Präsentationen schnell einmal zerpflückt. Aussagen, die nicht der Realität entsprechen, werden über Social Media gnadenlos aufgedeckt. Sogar Presseaussendungen werden auf ihre Glaubwürdigkeit geprüft. Darum gilt: Wer ein Bild zeichnet, das nicht authentisch ist, verliert.

Gerade beim Employer Branding wird „Schönreden“ aufgrund des Insider-Wissens sofort abgestraft. MitarbeiterInnen sind Zeugen aus erster Hand und genießen deshalb nach außen höchste Glaubwürdigkeit. Auf Job-Bewertungsportalen wie kununu machen sie ihre Innensicht öffentlich. Wenn der Kontrast zwischen Darstellung und gelebter Unternehmenskultur zu groß wird, gewinnt man schwer neue Talente, oder die neuen KollegInnen sind schneller weg als einem lieb ist.

Mut zum Echt-Sein

Ziel des Employer Brandings ist es daher, als Arbeitgeber einen ehrlichen, lebendigen Eindruck zu vermitteln und für die Zielgruppe erlebbar zu werden. Dazu braucht es einen authentischen Dialog auf Augenhöhe.

Kommunikationsverantwortliche müssen sich daher fragen, wie sie mehr Authentizität in ihre Aussagen integrieren können. Wo und wie kann man einen Blick hinter die Kulissen gewähren? Und müssen meine Produktionen wirklich alle „glänzen“? So war der Einsatz von Handyvideos früher allein aus Qualitätsgründen undenkbar – heute ergibt das durchaus Sinn. Denn wer ehrlich sein will, braucht den Mut, auch als unvollkommen wahrgenommen zu werden.

Echt schlägt schön.

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(leider nicht die essbaren)
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