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Barrierefreie Websites: Nicht nur für Randgruppen.

Im Baugewerbe ist der Begriff Barrierefreiheit schon lange kein Fremdwort mehr. Unsere Gesellschaft ist vielfältig, und es geht darum jeden einzuschließen. Es gilt darauf zu achten, dass Eingänge auch für Rollstuhlfahrer konzipiert sind und dass Senioren die Möglichkeit haben, einen Lift zu benützen. Aber was genau bedeutet dieser Begriff, wenn von Websites und Smartphones die Rede ist?

Anfang des Jahres trat es in Kraft: das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz. Nach zehn Jahren Übergangsfrist müssen Unternehmen, die Dienstleistungen, Waren und Informationen öffentlich anbieten, ihre Website barrierefrei gestalten.

In etwa 20 Prozent der österreichischen Bevölkerung leben mit einer oder mehreren dauerhaften Beeinträchtigungen – für behinderte Menschen ist Barrierefreiheit eine Voraussetzung, um überhaupt Teil der Online-Welt sein zu können. Es gibt Richtlinien, die eingehalten werden müssen, damit eine Website als barrierefrei eingestuft wird. Die WCAG 2.0 – Web Content Accessibility Guidelines  werden laufend aktualisiert und dienen als Richtlinie. Es gibt drei verschiedene Levels (A, AA und AAA), die sich hinsichtlich des technischen Aufwands unterscheiden. Anhand von vier Prinzipien wird festgelegt, ob eine Website barrierefrei ist – eine Website muss wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust sein. Was genau bedeutet das?

Die 4 Barrierefreiheit-Prinzipien kurz erklärt

  • Wahrnehmbar: Informationen auf der Website müssen dem Benutzer so präsentiert werden, dass sie für diesen wahrnehmbar sind.
  • Bedienbar: Bestandteile der Website und Benutzerschnittstelle müssen bedienbar sein.
  • Verständlich: Information und Bedienung der Benutzerschnittstelle müssen verständlich sein.
  • Robust: Inhalte müssen robust genug sein, dass sie von einer breiten Benutzergruppe sowie von der assistierenden Technik (z.B. Screenreader) interpretiert werden können.

Der User steht im Mittelpunkt – barrierefrei ist nicht gleich barrierefrei

Ein wichtiger Punkt bei barrierefreien Websites ist, dass jeder Mensch verschieden ist und es unterschiedliche Betrachtungsweisen gibt. Helmut Schachinger, Geschäftsführer von Dialog im Dunkeln, hat mit uns einen Workshop zum Thema barrierefreies Webdesign gemacht und mit folgender Aussage gestartet: „Jeder Blinde hat einen anderen Geschmack.“ Er surft viel im Internet via iPhone, und mit Hilfe der Voice-Over-Einstellung hat er immer den Screenreader aktiviert, mit dem er die Inhalte auf den Websites vorgelesen bekommt. Ihm ist wichtig, dass hinter jedem Bild ein Alternativtext hinterlegt ist, damit er sich mittels Sprungnavigation einen Überblick des Menüs verschaffen kann und dass die Farbzusammensetzung so gestaltet ist, dass die Kontraste stark genug sind.

Vieles, worauf er achtet, ist in den WCAG 2.0 Richtlinien enthalten, aber schlussendlich gilt es nicht jeden Punkt penibel einzuhalten, sondern ein Bewusstsein für barrierefreies Webdesign zu schaffen. Die einzelnen Kriterien, die in den Richtlinien abgedeckt werden, sind oftmals komplex und sehr technisch. Was in den Hintergrund rückt, sind die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen. Das war 2009 schon so, wie Liechtenecker in ihrem Blogartikel zu Barrierefreiheit erwähnen, und ist heute (leider) noch immer der Fall.

Warum sich barrierefreie Websites rentieren?

Es ist kein Geheimnis, dass die Entwicklung von barrierefreien Websites mit hohem Aufwand und somit auch höheren Kosten verbunden ist. Warum rentiert sich eine barrierefreie Website dennoch? Seit Anfang 2016 ist es gesetzlich festgelegt, dass Websites barrierefrei gestaltet sein müssen, damit im Netz keine Diskriminierung stattfindet. Neben der gesetzlichen Lage sind auch wirtschaftliche Vorteile mit einer solchen Website verbunden. In Österreich leben eine Million Menschen mit Bewegungseinschränkungen, 300.000 Menschen mit einer Sehbehinderung, 10.000 blinde Menschen, 200.00 Menschen mit einer Hörbehinderung, und die Bevölkerung wird immer älter (WKO, 2015). Diese Bevölkerungsgruppe ist keine Randgruppe – das sind Menschen, die als Zielgruppe nicht vernachlässigt werden dürfen und ein wirtschaftliches Potenzial darstellen. Am besten ist es, eine Website von Anfang an barrierefrei zu gestalten, damit nur noch laufend Kleinigkeiten angepasst werden müssen, die langfristig eine positive Auswirkung auf die Besucher der Website haben und somit auch zum Erfolg des Unternehmens/der Organisation beitragen.

Dass durch behindertengerechte Websites und Apps Nutzerzahlen steigen, wissen Unternehmen wie Facebook, Google und Apple seit langem. Die größte Social Media Plattform ermöglicht ihren Usern, mit Hilfe von integrierten Technologien das Navigieren ohne Einschränkung. Seit Anfang April haben die meisten Bilder einen Alternativtext, der von einem Screenreader vorgelesen wird. Somit können sehbehinderte Menschen auch den visuellen Aspekt von Facebook miterleben. Das klingt dann in etwa so: „Drei Menschen, Palmen, Strand“ und wer das Bild hochgeladen hat, wird auch kommuniziert. Dieses Angebot ist erstmals nur für englischsprachige Länder verfügbar.

Facebook und Google setzen vermehrt auf barrierefreies Webdesign und haben auch ein Barrierefreiheitsteam mit teilweise blinden Entwicklern, damit diese die Technologien immer zugänglicher machen. Das hängt in erster Linie damit zusammen, dass große Tech-Firmen ihre Angebote für jeden zugänglich machen wollen. In zweiter Linie ist es aber so, dass Google als eine der größten Suchmaschinen weltweit, ein Interesse daran hat, dass Websites barrierefrei sind, denn nur dann können diese richtig gecrawlt werden. Dieser Aspekt ist für jede Organisations- bzw. Unternehmenswebsite relevant, denn nur diejenigen, die einen sauber strukturierten Code haben und die Richtlinien der Barrierefreiheit einhalten, werden von Google gefunden.

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