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Fake News – und was wir dagegen tun können

Das Schlagwort „Fake News“ ist derzeit aus keiner Diskussion über Politik und die Rolle der Medien wegzudenken. Es wird als Synonym dafür gebraucht, dass man sich auf „die Echtheit und die Richtigkeit von Nachrichten nicht mehr verlassen kann“. Dass „heutzutage eben alles gesteuert wird“, „die Medien von den Mächtigen missbraucht werden“ und „der objektive Journalismus dem Untergang geweiht ist“. Und in den meisten Fällen wird dabei so getan, als wäre dies ein ganz neues Phänomen.

Von Fake Postings bis zu gekauften Berichten

Dabei ist die Problematik keineswegs vor kurzem entstanden: Kein Zweifel, die Postings in Online-Foren und Social Media-Kanälen, die in großem Stil unter falscher Identität abgesetzt werden, um Meinungsbildung und Diskussion in die gewünschte Richtung zu lenken, gibt es erst seit einigen Jahren. Und die AnbieterInnen, die mit diesen scheinbar smarten Geschäftsmodellen mehr oder weniger gutes Geld verdienen, sind noch nicht ewig am Markt. Aber das geschäftsmäßige Hinters-Licht-Führen der MedienkonsumentInnen existiert schon lange. Nicht gekennzeichnete bezahlte Anzeigen, die vorgeben ein durch und durch redaktioneller Bericht zu sein, sind seit Jahrzehnten gelebte Praxis. Auch Reise- oder Produkt-Berichte, die nur erscheinen, weil RedakteurInnen kostenlos in den Genuss der getesteten Reisen oder Produkte kamen, sind für die/den aufmerksamen LeserIn eine Selbstverständlichkeit.
Neu ist vielleicht nur die Breite des Problems. Zunehmend wird nicht auf einzelne Berichte oder Diskussionen, sondern gleich auf ganze Medien Einfluss genommen. Oder es werden gleich eigene Medien von Unternehmen oder Institutionen geschaffen (so genannte owned media). Das ist durchaus ehrenwert und sinnvoll, wenn das Medium als deklariertes KundInnenmagazin oder klar gekennzeichnete Online-Plattform daherkommt. Wenn aber der/die AbsenderIn verschleiert wird und versucht wird, mit einem pseudoobjektiven Auftritt das Vertrauen der LeserInnen zu ergaunern, um hinterrücks die eigentlichen Botschaften zu transportieren, dann zählt auch das zum „Fake News“-Phänomen.

Gezielte Täuschung ist inakzeptabel

All diesen Praktiken ist jedenfalls eines gemeinsam: Der/die AbsenderIn und/oder die Absicht werden nicht offengelegt. Die KommunikatorInnen setzen sich eine Maske auf und versuchen, die RezipientInnen zu täuschen. Diese Täuschungsabsicht ist ethisch inakzeptabel – für ein Unternehmen, für eine Interessensvertretung und auch für eine Person.
Doch wie treten wir dagegen auf? Wir alle entrüsten uns, wenn das Gerücht auftaucht, dass im amerikanischen Wahlkampf mit Fake News die Wahlentscheidung beeinflusst wurde. Wir sind entsetzt, dass mit Social Bots – also Programmen, die menschliche Präsenz simulieren und gezielt das Meinungsklima im Netz beeinflussen – Stimmung gemacht wird. Aber nehmen wir uns doch bei der Nase: Passiert das nicht auch in unserem Umfeld? Sind nicht auch wir manchmal an Täuschungsmanövern beteiligt oder zumindest Zeuge/Zeugin davon? Ist das nicht gekennzeichnete Advertorial ein Kavaliersdelikt oder der Anfang vom Übel?

Jede/r KommunikatorIn ist gefordert

Ich plädiere für eine Kommunikation mit offenem Visier – wo KommunikatorInnen zu ihrem Anliegen stehen und dieses mit überprüfbaren Fakten argumentieren. Und ich glaube daran, dass unser Gegenüber diese Ehrlichkeit spürt und schätzt sowie in Form von Akzeptanz zurückgibt.
Wer übrigens der Meinung ist, diese Haltung bräuchte es nicht, weil sich die UserInnen und LeserInnen ohnehin nicht in die Irre leiten lassen, der täuscht sich. Eine vor kurzem erschienene Studie der renommierten Stanford Graduate School of Education offenbarte, dass ein erschreckend hoher Anteil der Digital Natives bezahlten Content nicht von redaktionellem unterscheiden kann und gefakten Nachrichten auf den Leim geht. Selbst jene Gruppe, der wir hohe Medienkompetenz zugetraut hätten, ist also nicht gefeit.

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(leider nicht die essbaren)
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